Auf der Internetseite „Freies Pommern“, für die laut Impressum der NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller verantwortlich zeichnet, findet sich unter dem 16.02.2010 ein Artikel mit der Überschrift „Nationale Weltanschauung durch Studie bestätigt“. Er greift eine wissenschaftliche Untersuchung in der Schweiz auf, die Faktoren einer gelungenen Paarbeziehung erforscht hat. Sie war u.a. zu dem Ergebnis gelangt, dass die Trennungswahrscheinlichkeit bei gleicher Nationalität geringer sei als im Falle der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Kulturkreisen.
Die Autoren des Artikels sehen darin eine Bestätigung ihrer „nationalen Weltanschauung“, bemängeln jedoch die fehlende Begründung dieses Untersuchungsergebnisses. Sie selbst sehen die Ursache für die gewonnenen Erkenntnisse im angeblichen Zusammenhang zwischen dem - mittlerweile für den Menschen wissenschaftlich widerlegten1) - Begriff der „Rasse“ und der Kultur. Danach habe „jedes Volk aufgrund seiner rassischen Zusammensetzung eine Volksseele, die sich in der jeweiligen Kultur“ widerspiegele.
Zwar vermeiden die Autoren bei ihrem „Wesensvergleich“ zwischen Deutschen und „südländischen Völkern“ die Behauptung einer Höher- oder Minderwertigkeit von Kulturen. Völkerübergreifende Partnerschaften lehnen sie gleichwohl ab. Die „schmelztiegelartige“ Vereinigung der Völker führe „aufgrund der biologisch-kulturellen Unterschiede zum großen Knall“.
Mit dieser Aussage wird zweierlei deutlich:
· die Artikelschreiber sehen in der „Reinerhaltung der eigenen Rasse“ ein zentrales Element ihrer gesellschaftspolitischen Vorstellungen
· und sie begründen die „Rassenzugehörigkeit“ nicht nur kulturell, sondern auch biologisch.
Eine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus ist damit unverkennbar. Auch Hitler sah in der „Blutsvermischung“ die „alleinige Ursache des Absterbens aller Kulturen“2).
Dieser Ideologie folgend, mahnen die Autoren eine „artgerechte Partnerwahl“ an und verweisen in diesem Zusammenhang auf das Buch „Gattenwahl“ des NS-Rassetheoretikers Hans F.K. Günther, dem 1935 auf dem Reichsparteitag der NSDAP der von Hitler gestiftete Preis für Wissenschaft mit der Begründung verliehen wurde, er habe „Entscheidendes“ zur nationalsozialistischen Rassenkunde beigetragen3).
1) vgl. u.a. Europäische Kommission (Hrsg.): Ich Rassist ?. Luxemburg 1998, S. 30
2) Hitler, Adolf: Mein Kampf. München: Verlag Franz Eher Nachfolger 1943, S. 324
3) vgl. Piper, Ernst: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München: Karl Blessing Verlag 2005, S. 237
Datum: 11.03.2010