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Internetseite "Freies Pommern" berichtet über ein Gedenken an die Toten vom 9. November 1923

Nach einem Bericht vom 10. November 2010, eingestellt auf der vom NPD-Landtagsabgeordneten Tino MÜLLER verantworteten rechtsextremistischen Internetseite „Freies Pommern“, gedachten „nationale Aktivisten“ am 9. November 2010 auf der Insel Usedom den Toten vom 9. November 1923, die beim „Marsch zur Feldherrnhalle“ in München ihr Leben ließen. An einem Denkmal, das an die Toten der beiden Weltkriege erinnert, sei in einer Feierstunde an das „Opfer“ der 16 Männer erinnert worden. Die Teilnehmer hätten Fackeln und Fahnen mit sich geführt, eine Schweigeminute abgehalten und das „Treulied“ gesungen. Damit dürfte das von der SS in ihrem Liederbuch an prominenter Stelle abgedruckte Lied „Wenn alle untreu werden“ gemeint sein.

Zum geschichtlichen Hintergrund dieses „Totengedenkens“ ist Folgendes anzumerken: Hitler hatte im Rahmen eines Putschversuches gegen die Weimarer Demokratie zusammen mit General Ludendorff am Morgen des 9. November 1923 den „Marsch zur Feldherrnhalle“ initiiert. Der Demonstrationszug mit ca. 2.000 Beteiligten wurde von der Polizei in der Münchener Innenstadt gewaltsam gestoppt. Im Zusammenhang mit den Ereignissen wurden 16 Putschisten getötet, ebenso vier Polizisten1. Hitler wurde lediglich leicht verletzt und konnte zunächst fliehen. Einige Tage später wurde er festgenommen, und die NSDAP wurde im gesamten Deutschen Reich verboten. Am 1. April 1924 wurde Hitler in einem Hochverratsverfahren vor dem bayerischen Volksgerichtshof zu fünf Jahren Festungshaft in Landsberg verurteilt, wo er im Sommer 1924 mit der Abfassung seiner Programmschrift „Mein Kampf“ begann. Bereits am 20. Dezember 1924 wurde Hitler vorzeitig aus der Haft entlassen. Von der NS-Propaganda wurde der Marsch nach der Machtübernahme 1933 als Heldentat und Opfergang verklärt2. Der 9. November wurde als Gedenktag für die Bewegung zum staatlichen Feiertag erklärt, und den so genannten „Blutzeugen der Bewegung“ wurde in jährlichen Totenfeiern in München gedacht. Die besondere Bedeutung des Ereignisses für Hitler wird u.a. auch darin deutlich, dass dieser beim ersten öffentlichen Auftritt der „Schutzstaffel“ (SS) beim Parteitag am 3./4. Juli 1926 in Weimar als Zeichen seiner Wertschätzung die „Blutfahne“ von 1923, die die „Prozession“ zur Feldherrnhalle angeführt hatte, an die neue Eliteorganisation übergab.3

Durch diese Berichterstattung zeigt die neonazistische Homepage „Freies Pommern“ („Nationale Sozialisten Pommern“) in einer bislang nicht da gewesenen Deutlichkeit ihre Nähe zum Nationalsozialismus. Aufgegriffen wird ein zentrales Element der NS-Mythologie, nämlich die von Hitler initiierte Umwandlung eines fehlgeschlagenen Putsches in einen Triumph von „Märtyrern“ und die damit im Zusammenhang stehende „Heldenverehrung“.

 

1 Vgl. Ian Kershaw, Hitler 1889 – 1945, vom Autor gekürzte Ausgabe der zweibändigen Biographie, Hitler. 1889 – 1936   und Hitler. 1936 – 1945 erschienen bei DVA 1998 bzw. 2000, S. 151.

2 Vgl. Hans-Ulrich Thamer, Der Nationalsozialismus, Stuttgart: Reclam 2002, S. 42.

3 Vgl. Ian Kershaw, Hitler 1889 – 1945, vom Autor gekürzte Ausgabe der zweibändigen Biographie, Hitler. 1889 – 1936 und Hitler. 1936 – 1945 erschienen bei DVA 1998 bzw. 2000, S. 194.

Datum: 08.12.2010


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