Wurzeln in Großbritannien
Skinheads prägen maßgeblich die öffentliche Wahrnehmung des gewaltbereiten Rechtsextremismus. Die Skinhead-Bewegung
formierte sich Ende der 60er Jahre in Großbritannien aus drei anderen Subkulturen, den „Modernists“ (Mods), den
„Rude-Boys“ und den „Boot-Boys“. Das Erscheinungsbild dieser Gruppierungen, das Vorbildcharakter für die
Skinhead-Bewegung haben sollte, ähnelte sich stark: schwere Stiefel, Jeans und T-Shirt; die Haare wurden im Laufe der
Szeneentwicklung immer kürzer. Wie ihre Vorgänger entstammten auch die Skinheads aus Arbeiterkreisen. Sie bekannten
sich demonstrativ zu ihrer sozialen Herkunft und leiteten daraus einen subkulturellen Stolz, ja sogar eine Art elitären
Anspruch ab. Bis Mitte der 70er Jahre war die erste Generation der Skins wieder verschwunden.
Die neue Skinheadszene in Großbritannien
In den Jahren 1976/77 bildete sich wiederum in Großbritannien aus Teilen der Punk-Szene eine zweite
Skinhead-Bewegung. Die Subkultur der Skins der ersten Generation war von denjenigen Punks wiederentdeckt worden, die
mit den neu hinzugekommenen gestylten Mode-Punks nichts mehr zu tun haben wollten. Ende der siebziger Jahre erreichte
die Politisierung der Skinheads in Großbritannien ihren Höhepunkt. Die Einflussnahme von politischen Parteien und
Organisationen aus dem rechtsextremistischen Lager trug hierzu in einem entscheidenden Maße bei. Zunächst hatte die
1967 gegründete National Front (NF) mit ihren Bemühungen große Erfolge, die Skinheads in ihre politischen Aktivitäten
einzubinden. Anfang der 80er Jahre wurde die Beeinflussung der rechtsextremistischen Skinheads durch die NF durch
radikalere Gruppierungen wie British Movement (BM) oder später Blood & Honour (B & H) abgelöst.
Skinheads in Deutschland
Ende der 70er Jahre entwickelten sich die ersten Skinhead-Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland. Der
Skinhead-Kult gelangte zum einen über Angehörige der hier stationierten britischen Streitkräfte nach Deutschland, zum
anderen kamen deutsche Punks über Fanzines (Szene-Zeitschriften) mit der englischen Skinhead-Szene und der so genannten
Oi!-Bewegung in Berührung. Insbesondere militante Punks begannen mit der neuen Subkultur zu sympathisieren und
wechselten Anfang der 80er Jahre in die Skinhead-Szene. Während dieser Phase lebten die beiden unterschiedlichen
Subkulturen relativ friedfertig nebeneinander, doch das „Schmuddel-Image“ der Punk-Bewegung und die Beeinflussung der
Punks durch linkes Gedankengut führten zu sich verschärfenden Gegensätzen.
Einflüsse in Deutschland
Die Politisierung der deutschen Skins erfolgte auf unterschiedliche Weise. Zum einen wurden ein Großteil der
Skinheads ohnehin durch eine latent fremdenfeindliche Grundeinstellung geprägt. Hinzu traten der Einfluss der
rechtsorientierten britischen Szene sowie Einflussnahmen neonazistischer deutscher Organisationen wie der Aktionsfront
Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) und der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP).
Der Aufstieg der Skins nach der Wende
Mit dem Fall der Mauer 1989 erlebte die gesamtdeutsche Skinhead-Szene einen sprunghaften Anstieg, da in der
ehemaligen DDR erheblich mehr Skins existierten als in der Bundesrepublik angenommen worden war. Seit der
Wiedervereinigung verzeichnete die Szene bundesweit einen in kontinuierlichen Anstieg. Eine Ausnahme bildeten die Jahre
1993/94, als die Skinheadszene in Folge der fremdenfeindlichen Brandanschläge von Mölln (23.11.1992) und Solingen
(29.05.1993) durch öffentlichen Druck in die Defensive gerieten.