Sprache, Accesskey 1, Direkt zum Inhalt, Accesskey 2, Direkt zur Hauptnavigation, Accesskey 3


Geschichte und Ideologie der Organisation Kalifatstaat

Metin Kaplan

Der „Khomeini von Köln“
Der Kalifatsstaat wurde am 25. November 1984 unter der Bezeichnung Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (Islami Cemaat ve Cemiyetler Birligi / ICCB) von Cemaleddin KAPLAN gegründet. Der Sitz der Organisation befand sich bis zu ihrem Verbot in Köln. Wie die IGMG ist auch der Kalifatsstaat aus der Islamischen Union Europa e.V. hervorgegangen, die ihrerseits der seit 1972 bestehenden Türkischen Union Europa e.V. nachfolgte. Die Islamische Union Europa e.V. spaltete sich, weil der charismatische religiöse Führer des ICCB, Cemaleddin KAPLAN, den legalistischen, auf parlamentarische Machtübernahme in der Türkei zielenden Kurs der IGMG bzw. ihrer von Necmettin Erbakan geführten Mutterorganisation in der Türkei, der Refah-Partei, verwarf. Seine Zielsetzungen, die auf eine revolutionäre Überwindung der türkischen Republik durch einen auf der Scharia basierenden islamistischen Gottesstaat hinausliefen, brachte Cemaleddin KAPLAN in seinen programmatischen, für die Mitglieder der Organisation bis zuletzt verpflichtenden Schriften in aller Deutlichkeit zum Ausdruck:

"Wir sind eine muslimische Nation, Anhänger des Propheten Mohammads. Für uns sollte ein eigener Staat da sein, denn es ist eine religiöse Pflicht, einen solchen zu besitzen. Dieser Staat, dessen Existenz eine religiöse Pflicht ist, ist ein Staat des Kalifats, also ein Gottesstaat. Heute entbehren wir noch einen solchen Staat. Seit 1924 ist dies der Fall. Mustafa Kemal hat ihn abgeschafft. Seit jener Zeit fehlt es an einem islamischen Staat. Die Staaten und die Regierungen, welche durch Mustafa Kemal und seine Nachfolger gegründet worden sind, sind nicht rechtmäßig."

(Cemaleddin Hocaoglu[KAPLAN]: Die Rückgabe des Rechts an den Anspruchsteller, Köln 1994)

Die zunehmend sektiererische Organisation wirkte vor allem durch ihre Koranschulen. Die Militanz der dort verbreiteten Parolen brachte KAPLAN den Beinamen Khomeini von Köln ein. Sein überspannter religiöser Machtanspruch zeigte sich darin, dass er sich 1994 von seinen Anhängern zum Kalifen (Stellvertreter, Nachfolger Mohammads in der Führung der islamischen Gemeinde) ernennen ließ. Hieraus resultierte auch die im selben Jahr vollzogene Umbenennung des ICCB in Kalifatsstaat.

Sinkende Mitgliederzahlen und Zunahme der Militanz
Nach KAPLANs Tod im Mai 1995 übernahm sein Sohn Metin die Führung der Organisation und den Titel Kalif. Metin KAPLAN fehlte das Charisma seines Vaters. Unter seiner Führung schrumpfte die in den achtziger Jahren mehrere tausend Mitglieder starke Organisation auf zuletzt 1.100 Mitglieder. Im Gegenzug nahm die Militanz der Organisation zu, wie folgende Auswahl von Zitaten verdeutlicht:

"Der Koran ist unsere Waffe. Wenn der Marsch in die Türkei von den deutschen Behörden verhindert werden sollte, werden wir auch die Deutschen kaputtmachen. Der Heilige Krieg hat begonnen!"

(Äußerung von Metin KAPLAN auf dem Jahreskongress des Kalifatsstaats in Köln im Mai 1998)

"Die Flagge des Heiligen Krieges ist gehisst! Wir fordern alle Moslems dieser Erde auf, sich unter die Obhut dieser Flagge zu begeben."

(Ümmet-i Muhammed, Nr. 246, Oktober 1998)

"Wer sich mit dem Koran nicht zur Vernunft bringen lässt, der wird es mit dem Schwert!"

(Ümmet-i Muhammed, Nr. 242, September 1998)

. Im Jahre 1997 war sein innerorganisatorischer Konkurrent Dr. SOFU, der sich zum Gegenkalifen hatte ausrufen lassen, von bislang unbekannten Tätern in seiner Wohnung erschossen worden. Metin KAPLAN hatte auf die Ausrufung des Gegenkalifen mit einem religiösen Gutachten reagiert:

"Was passiert mit einer Person, die sich, obwohl es einen Kalifen gibt, als einen zweiten Kalifen verkünden lässt? Dieser Mann wird zur Reuebekundung gebeten. Wenn er nicht Reue bekundet, dann wird er getötet."

 

Mehr Informationen


zurück


Mecklenburg-Vorpommern / MV tut gut