Kurzinformation
Entstehungszeit und -ort: Anfang der 80er Jahre in Pakistan/Afghanistan
Über die Zahl ihrer Mitglieder/Anhänger gibt es keine gesicherten Informationen.
"Jihad" - Einsatz auf dem Pfad Gottes
Im traditionellen Islam wird zwischen dem "großen" und dem "kleinen" Jihad (wörtlich: "Anstrengung" für den Islam)
unterschieden. Als "großer Jihad" gelten die Bemühungen des einzelnen Muslim, sich möglichen Anfechtungen der eigenen
Glaubensfestigkeit zu widersetzen. Er zielt auf die Unterdrückung bestimmter menschlicher Triebregungen ab, die als
unvereinbar mit dem Islam gelten. Der "kleine Jihad" dient hingegen der (bewaffneten) Verteidigung der "islamischen
Gemeinschaft" (arab.: umma) gegen innere und äußere Feinde sowie der Ausweitung des Geltungsbereiches des islamischen
Rechts (arab.: shari’a). Die Attribute "groß" und "klein" spiegeln die ursprüngliche Rangordnung beider Formen des
Jihads wieder.
Mujahedin als Netzwerk
Der Komplex Mujahedin zeichnet sich nicht durch eine einheitliche und statische Organisationsstruktur, sondern
durch eine Vielzahl von Personenzusammenschlüssen aus. Sie stehen häufig über ein flexibles und auf verschiedenen
Ebenen angesiedeltes Beziehungsgeflecht in gegenseitigem Kontakt. Bei den Mujahedin handelt es sich insgesamt um
Personen, die
Dieses "Kollektivgut" an Einstellungen und Erfahrungen verbindet die weltweit verstreuten Mujahedin. Gemeinsam absolvierte Trainingsprogramme und Guerilla-Einsätze haben weit verzweigte und teils enge Beziehungen untereinander entstehen lassen, in die Außenstehende nur schwer Einblick erlangen oder gar Zugang finden.
Entwicklung der Mujahedin
Bis in die späten achtziger und frühen neunziger Jahre hinein waren die Mujahedin meist in nationalen Vereinigungen
organisiert (z. B. "Djamaat al-Jihad al-islami" in Ägypten oder "Bewaffnete Islamische Gruppe" [GIA] in Algerien). Ihr
Handeln war weitestgehend auf ihr Heimatland beschränkt, wobei es ihr Ziel war, mittels destabilisierender
Terroranschläge die Regierung ihres Landes zu stürzen und ein islamistisches System zu begründen. In den vergangenen
Jahren sind einige dieser militanten Organisationen in trans- und multinationalen Netzwerken aufgegangen, stellen
Rekrutierungsbasen für sie dar oder stehen in wechselseitiger Beziehung mit ihnen. Die Bündelung der verschiedenen
revolutionär-/militant-islamistischen Kräfte ist in hohem Maße der Organisation Al-Qaida ("Die Basis")
zuzuschreiben, die Ende der achtziger Jahre von Osama bin Laden gegründet wurde und sich als Speerspitze im Kampf gegen
die "Feinde der Muslime" versteht.
Die Verfolgung der Al-Qaida
Die US-geführte Afghanistan-Intervention im Herbst 2001 brachte für Al-Qaida neben der Zerstörung der meisten ihrer
dortigen Trainingslager einschneidende Veränderungen mit sich: Ein Teil ihrer Mitglieder verlor ihr Leben, ein weiterer
Teil ist inhaftiert und ein dritter Teil flüchtete und lebt nunmehr in verschiedenen Staaten. Nicht zuletzt diese
Tatsache dürfte für die heutige dezentrale Struktur von Al-Qaida ausschlaggebend sein. Wenngleich das Schicksal von
Osama bin Laden bislang nicht geklärt werden konnte, wurden Fortschritte bei der Aufdeckung von Al-Qaida-Strukturen und
Fahndungserfolge erzielt. Im September, genau ein Jahr nach den Anschlägen in New York und Washington, gelang im
pakistanischen Karatschi die Festnahme von Ramzi Bin al-Shibh, eine der zentralen Personen innerhalb der Hamburger
Al-Qaida-Zelle und offensichtlich ein wichtiger Planer der Anschläge vom 11. September 2001. Auf einem von dem
qatarischen Fernsehsender "Al-Djazira" kurz vor seiner Verhaftung ausgestrahlten Videoband stellte Bin al-Shibh selbst
eine Verbindung zwischen den September-Anschlägen, Al-Qaida und seiner Person her. Ebenfalls in Pakistan wurde bereits
im April 2002 Abu Zubaidah festgenommen, der bisherigen Erkenntnissen zufolge wichtige organisatorische Aufgaben
innerhalb von Al-Qaida übernommen hatte.
Situation in Deutschland
Der Komplex Arabische Mujahedin wird weiterhin durch Aktivisten repräsentiert, die sich in Klein- und
Kleinstgruppen zusammengeschlossen haben. Diese so genannten non-aligned Mujahedin operieren weitestgehend selbständig,
wobei allerdings Kontaktpunkte zu Al-Qaida und anderen militant-islamistischen Organisationen (u. a. "Salafiyya-Gruppe
für die Mission und den Kampf" (GSPC), "Ansar al-Islam") bestehen dürften.
Auch in Deutschland leben Personen, die dem Komplex Arabische Mujahedin zuzurechnen sind. Am 31. Juli und 1. August 2006 wurden in Regionalzügen der Deutschen Bahn AG zwei in Trolleys versteckte, selbst gefertigte Sprengvorrichtungen entdeckt. Ihre kriminaltechnische Untersuchung ergab, dass das Zündmittel zwar aktiviert, das Sprengmittel jedoch nicht gezündet hat und somit ein vermutlich geplanter Massenmordanschlag lediglich aufgrund eines "handwerklichen Fehlers" verhindert wurde.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang gegen zwei libanesische und einen syrischen Staatsangehörigen sowie weitere unbekannte Personen wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des versuchten Mordes in einer Vielzahl von Fällen und des versuchten Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen.
Einer der beiden Tatverdächtigen gab laut Pressemeldungen an, durch die Veröffentlichung der (erstmals im Herbst
2005 in Dänemark publizierten) "Mohammed - Karikaturen" in deutschen Medien zu der Tat motiviert worden zu sein. Sollte
sich hier der Verdacht eines islamistisch motivierten Versuch des Massenmordanschlages erhärten, muss davon
ausgegangen werden, dass sich die in der Vergangenheit von den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder stets
einhellig konstatierte Gefahr terroristischer Anschläge in der bislang deutlichsten und unmittelbarsten Art und Weise
konkretisiert hätte.
Mitte September 2006 wurden zudem Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden zu einer deutsch-türkischen Gruppe der
Presse bekannt, die im Verdacht steht, mittels eines entführten und mit explosiven Sprengstoffen beladenen Schiffes
einen Anschlag auf ein Pop-Konzert in der Nähe des Rheins geplant zu haben. Haftbefehle sind in diesem Fall bislang
nicht eingegangen.
Am 10. Oktober 2006 wurde im niedersächsischen Georgsmarienhütte ein Iraker festgenommen, der von der
Bundesanwaltschaft verdächtigt wird Propaganda der "Al-Qaida" im Internet bereitgestellt und verbreitet und damit deren
"terroristische Aktivitäten und Zielsetzungen" gefördert zu haben.