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Arabische Mujahedin

Mujahedin-Logo

Kurzinformation
Entstehungszeit und -ort: Anfang der 80er Jahre in Pakistan/Afghanistan
Über die Zahl ihrer Mitglieder/Anhänger gibt es keine gesicherten Informationen.

"Jihad" - Einsatz auf dem Pfad Gottes
Im traditionellen Islam wird zwischen dem "großen" und dem "kleinen" Jihad (wörtlich: "Anstrengung" für den Islam) unterschieden. Als "großer Jihad" gelten die Bemühungen des einzelnen Muslim, sich möglichen Anfechtungen der eigenen Glaubensfestigkeit zu widersetzen. Er zielt auf die Unterdrückung bestimmter menschlicher Triebregungen ab, die als unvereinbar mit dem Islam gelten. Der "kleine Jihad" dient hingegen der (bewaffneten) Verteidigung der "islamischen Gemeinschaft" (arab.: umma) gegen innere und äußere Feinde sowie der Ausweitung des Geltungsbereiches des islamischen Rechts (arab.: shari’a). Die Attribute "groß" und "klein" spiegeln die ursprüngliche Rangordnung beider Formen des Jihads wieder.

Mujahedin als Netzwerk
Der Komplex Mujahedin zeichnet sich nicht durch eine einheitliche und statische Organisationsstruktur, sondern durch eine Vielzahl von Personenzusammenschlüssen aus. Sie stehen häufig über ein flexibles und auf verschiedenen Ebenen angesiedeltes Beziehungsgeflecht in gegenseitigem Kontakt. Bei den Mujahedin handelt es sich insgesamt um Personen, die

  • ein ausgeprägt zweigeteiltes Weltbild haben (auf der einen Seite Muslim, auf der anderen Seite ungläubig),
  • die Muslime als Opfer einer jüdisch-christlichen Verschwörung bzw. eines Kreuzzuges sehen,
  • sich zum bewaffneten Kampf gegen die - aus ihrer Sicht - nichtmuslimischen Aggressoren entschlossen haben und bereit sind, für ihre Religion sowie ihre Glaubensbrüder und -schwestern als Märtyrer zu sterben,
  • zum Teil in Trainingslagern (vielfach in Afghanistan, Pakistan und im Sudan) eine religiöse und zugleich paramilitärische Unterweisung erhalten haben,
  • sich unter Umständen an Kämpfen in Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, im Kosovo, in Tschetschenien oder auch im Kaschmir beteiligt haben/beteiligen,
  • zu einem großen Teil, aber nicht ausschließlich, arabischer Herkunft sind.

Dieses "Kollektivgut" an Einstellungen und Erfahrungen verbindet die weltweit verstreuten Mujahedin. Gemeinsam absolvierte Trainingsprogramme und Guerilla-Einsätze haben weit verzweigte und teils enge Beziehungen untereinander entstehen lassen, in die Außenstehende nur schwer Einblick erlangen oder gar Zugang finden.

Entwicklung der Mujahedin
Bis in die späten achtziger und frühen neunziger Jahre hinein waren die Mujahedin meist in nationalen Vereinigungen organisiert (z. B. "Djamaat al-Jihad al-islami" in Ägypten oder "Bewaffnete Islamische Gruppe" [GIA] in Algerien). Ihr Handeln war weitestgehend auf ihr Heimatland beschränkt, wobei es ihr Ziel war, mittels destabilisierender Terroranschläge die Regierung ihres Landes zu stürzen und ein islamistisches System zu begründen. In den vergangenen Jahren sind einige dieser militanten Organisationen in trans- und multinationalen Netzwerken aufgegangen, stellen Rekrutierungsbasen für sie dar oder stehen in wechselseitiger Beziehung mit ihnen. Die Bündelung der verschiedenen revolutionär-/militant-islamistischen Kräfte ist in hohem Maße der Organisation Al-Qaida ("Die Basis") zuzuschreiben, die Ende der achtziger Jahre von Osama bin Laden gegründet wurde und sich als Speerspitze im Kampf gegen die "Feinde der Muslime" versteht.

Die Verfolgung der Al-Qaida
Die US-geführte Afghanistan-Intervention im Herbst 2001 brachte für Al-Qaida neben der Zerstörung der meisten ihrer dortigen Trainingslager einschneidende Veränderungen mit sich: Ein Teil ihrer Mitglieder verlor ihr Leben, ein weiterer Teil ist inhaftiert und ein dritter Teil flüchtete und lebt nunmehr in verschiedenen Staaten. Nicht zuletzt diese Tatsache dürfte für die heutige dezentrale Struktur von Al-Qaida ausschlaggebend sein. Wenngleich das Schicksal von Osama bin Laden bislang nicht geklärt werden konnte, wurden Fortschritte bei der Aufdeckung von Al-Qaida-Strukturen und Fahndungserfolge erzielt. Im September, genau ein Jahr nach den Anschlägen in New York und Washington, gelang im pakistanischen Karatschi die Festnahme von Ramzi Bin al-Shibh, eine der zentralen Personen innerhalb der Hamburger Al-Qaida-Zelle und offensichtlich ein wichtiger Planer der Anschläge vom 11. September 2001. Auf einem von dem qatarischen Fernsehsender "Al-Djazira" kurz vor seiner Verhaftung ausgestrahlten Videoband stellte Bin al-Shibh selbst eine Verbindung zwischen den September-Anschlägen, Al-Qaida und seiner Person her. Ebenfalls in Pakistan wurde bereits im April 2002 Abu Zubaidah festgenommen, der bisherigen Erkenntnissen zufolge wichtige organisatorische Aufgaben innerhalb von Al-Qaida übernommen hatte.

Situation in Deutschland
Der Komplex Arabische Mujahedin wird weiterhin durch Aktivisten repräsentiert, die sich in Klein- und Kleinstgruppen zusammengeschlossen haben. Diese so genannten non-aligned Mujahedin operieren weitestgehend selbständig, wobei allerdings Kontaktpunkte zu Al-Qaida und anderen militant-islamistischen Organisationen (u. a. "Salafiyya-Gruppe für die Mission und den Kampf" (GSPC), "Ansar al-Islam") bestehen dürften.

Auch in Deutschland leben Personen, die dem Komplex Arabische Mujahedin zuzurechnen sind. Am 31. Juli und 1. August 2006 wurden in Regionalzügen der Deutschen Bahn AG zwei in Trolleys versteckte, selbst gefertigte Sprengvorrichtungen entdeckt. Ihre kriminaltechnische Untersuchung ergab, dass das Zündmittel zwar aktiviert, das Sprengmittel jedoch nicht gezündet hat und somit ein vermutlich geplanter Massenmordanschlag lediglich aufgrund eines "handwerklichen Fehlers" verhindert wurde.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang gegen zwei libanesische und einen syrischen Staatsangehörigen sowie weitere unbekannte Personen wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des versuchten Mordes in einer Vielzahl von Fällen und des versuchten Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen.

Einer der beiden Tatverdächtigen gab laut Pressemeldungen an, durch die Veröffentlichung der (erstmals im Herbst 2005 in Dänemark publizierten) "Mohammed - Karikaturen" in deutschen Medien zu der Tat motiviert worden zu sein. Sollte sich hier der Verdacht eines islamistisch motivierten Versuch des Massenmordanschlages erhärten, muss davon ausgegangen werden, dass sich die in der Vergangenheit von den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder stets einhellig konstatierte Gefahr terroristischer Anschläge in der bislang deutlichsten und unmittelbarsten Art und Weise konkretisiert hätte.

Mitte September 2006 wurden zudem Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden zu einer deutsch-türkischen Gruppe der Presse bekannt, die im Verdacht steht, mittels eines entführten und mit explosiven Sprengstoffen beladenen Schiffes einen Anschlag auf ein Pop-Konzert in der Nähe des Rheins geplant zu haben. Haftbefehle sind in diesem Fall bislang nicht eingegangen.

Am 10. Oktober 2006 wurde im niedersächsischen Georgsmarienhütte ein Iraker festgenommen, der von der Bundesanwaltschaft verdächtigt wird Propaganda der "Al-Qaida" im Internet bereitgestellt und verbreitet und damit deren "terroristische Aktivitäten und Zielsetzungen" gefördert zu haben.

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